Eine spielerische Entdeckertour durch den Terrassengarten von Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden haben das Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden und die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) gemeinsam entwickelt. Eine Rätsel-App und Infotafeln vermitteln Erwachsenen und Kindern interessante Details über die Anlage und die Gartenkultur früherer Zeitalter. Die Kulturstiftung der Länder hat im Förderprogramm „Kultur.Gemeinschaften“ bis zu 75.000 Euro für das Projekt rund um den Terrassengarten bereitgestellt.

Entstanden ist ein generationenübergreifendes Angebot mit einem digitalen Rätselspiel für Jung und Alt als Mittelpunkt. Die Rahmenhandlung ist einfach und an den historischen Skulpturenschmuck des Gartens angelehnt: Ein Löwe sucht seinen Freund, den Delfin. Wer dem Löwen bei der Suche helfen will, muss vier Aufgaben lösen. Mit jeder Lösung wird mehr vom Delfin sichtbar. Anregungen und Antworten finden sich beim Rundgang durch den Garten auf Infotafeln zu den Jahreszeiten und zur historischen Pflanzenkultur. Hat man eine Aufgabe gelöst, gibt es interessante bebilderte Hintergrundinformationen. Und am Ende kann man sich noch eine Überraschung an der Museumskasse im Schloss abholen.

„Mit dem Spiel haben wir das lang erhoffte Vermittlungsinstrument, um die Gäste anschaulich in die Vergangenheit des Terrassengartens blicken zu lassen“, sagt Dr. Doris Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, „denn es steckt viel mehr in dem Garten, als man auf den ersten Blick sieht. Dass es hier eine opulente Wasserkunst mit Muschelkaskaden und Skulpturen gab, ist für viele Gäste ohne Erklärungen schwer vorstellbar.“

Anschaulich dargestellt wird auch die Kombination von Nutz- und Zierpflanzen im Terrassengarten, die seit der Wiederherstellung der Gartenterrassen 2015 wieder zu erleben ist. Im Zusammenhang mit dem Projekt wurde nun die Palette der historischen Pflanzensorten noch einmal erweitert und mit Hinweistafeln ergänzt.

Museumsdirektor Dr. Kai Lehmann ist froh über das neue gemeinsame Angebot: „Bei einem Schloss ist der Außenbereich genauso bedeutsam wie die Innenräume. Mit dem neuen Rätselspiel können unsere Gäste nun den Museumsrundgang nahtlos im Terrassengarten fortsetzen und bekommen dort wie im Schloss selbst viel Spannendes mit auf den Weg – zum Beispiel auch, welches Gemüse anfangs hier nicht angebaut werden konnte, weil es noch gar nicht nach Europa importiert war.“

Das Spiel funktioniert auf dem eigenen Mobilgerät. Die App muss nicht heruntergeladen werden, sondern ist direkt über QR-Codes auf den Schildern im Garten erreichbar. Alternativ können Tablets an der Museumskasse ausgeliehen werden.

Der Terrassengarten von Schloss Wilhelmsburg entstand ab etwa 1602 unter Landgraf Moritz von Hessen und seinen Nachfolgern. Auf den Terrassen legte man Zierbeete mit Blumenstauden, Rosen und Gemüse an, wie durch Pflanzenlisten belegt ist. Das Aussehen der Beete ist nicht bekannt. Lediglich für die oberste Terrasse ist eine Skizze mit ornamentaler Buchsbaumpflanzung überliefert. Die Terrassenstruktur, die Pflanzlisten und die Skizze bildeten die Grundlage für die Wiederherstellung des Terrassengartens zur Landesgartenschau in Schmalkalden 2015. Bereits einige Jahre zuvor hatte die STSG die seitlich verlaufende Treppenanlage saniert. Dort sind noch zwei flankierende Wasserkanäle erkennbar – die Reste der Wasserkunst, in der einst durch Delphine, Löwen und Muscheln das aufwendig von jenseits des Tals herangeführte Wasser plätscherte.

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Präsentation der App im Terrassengarten mit Bürgermeister Thomas Kaminsi (3.v.l.), STSG-Direktorin Dr. Doris Fischer (4.v.l.), STSG-Projektleiterin Dr. Miriam Rieger und Museumsdirektor Dr. Kai Lehmann (6.v.l.), Foto: Sascha Bühner

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